Mut zur Lücke

August 12, 2026

Zum Start meiner Selbstständigkeit 2018 habe ich nichts unversucht gelassen, um auch nur irgendwie dauerhaft auf eigenen Beinen stehen zu können. Nach einer glücklichen Fügung hatte ich direkt am Anfang einen großen Auftrag bei Trade Republic.

"Das geht ja einfach", dachte ich. Doch es kam wie es kommen musste: Der Auftrag war von heute auf morgen für beendet erklärt und ich war arbeitslos. Kein anderer Auftrag – nicht mal ein kleiner.

Die folgenden Monate waren hart: Arbeitslosengeld beziehen, bewerben ohne Ende, viele Absagen, viele Follow-ups ohne Antwort. Vielleicht sollte ich mich doch wieder anstellen lassen? Vielleicht bin ich nicht gut genug, um selbstständig zu sein?

Doch irgendwann kam die Zusage für einen kleinen Auftrag: E-Mail-Kampagnen für einen Faszientherapeuten erstellen. Viel Erfahrung hatte ich darin nicht, aber ich würde mich schon reinfuchsen können. Am Ende war der Kunde sehr zufrieden.

Danach kam ein weiterer Auftrag. Und noch einer. Schnell hatte ich verschiedenste Themenbereiche, in denen ich gearbeitet habe:

  • E-Mail-Kampagnen einrichten
  • Tracking-Lösungen mit Google Analytics einrichten
  • Hochkonvertierende Landingpages bauen
  • Google Ads Kampagnen erstellen
  • Meta Ads Kampagnen erstellen und optimieren
  • SEO-Optimierungen für Websites
  • ...

Die meisten der Kund:innen waren zufrieden. Also dachte ich, ich kann alle diese Lösungen anbieten. Konnte ich wohl auch.

Meine Website ist parallel dazu gewachsen. Alles was ich bereits gelöst habe, habe ich als Leistung auf meine Seite gepackt. Ein Online-Marketing-Experte, der alles kann – das muss doch gut gehen. Oder?

Das böse Erwachen

Meine "Das schaffe ich schon"-Mentalität hat mich die ersten beiden Jahre gut durchgebracht. Wenn es auch oft stressig war, so konnte ich zumindest selbstbestimmt arbeiten.

2019 hatte ich einen Auftrag bei Adidas. 9 Monate war ich fast Vollzeit an Bord, um das Tracking der Online-Warenverkäufe zu optimieren. Der Fauxpas, dass ich mit Nike-Schuhen in das Adidas-Headquarter spaziert bin und direkt angemahnt wurde, war recht schnell vergessen.

Nicht aber der Druck, der auf mir als Analytics Consultant lag. Ich war derjenige, der die Datengrundlagen sicherstellen musste. Und habe bemerkt: Je tiefer man in Daten eintaucht, desto mehr Probleme sieht man. Und je mehr Probleme man sieht, desto unsicherer wird man in den Reports, die man macht.

Der Job hat mich sehr viele Nerven gekostet.

2020 wurde ich dann von einer Schweizer Agentur gebucht, um deren Tracking-Lösungen zu implementieren. Klar, das wird schon, habe ich ja bereits oft gemacht.

Was ich jedoch nicht bedacht habe: Diese Agentur war wirklich spezialisiert auf das Thema. Die Angestellten hatten ein Tiefenwissen, wie ich es zuvor noch nie gesehen habe. Und ich hatte Mühe mitzukommen. Ich musste sehr viel lernen, habe mehrmals schlechtes Feedback bekommen. Am Ende ging die Zusammenarbeit nicht sehr lange.

Die logische Folge

Einige Jahre habe ich das so durchgezogen: Habe Projekte angenommen, wenn es auch nur entfernt gepasst hat und ich dachte, dass ich gut helfen kann. Meine eigene Energie habe ich dabei oft vernachlässigt. Doch nach und nach wurde mir klar:

  1. Ich möchte keine Analytics-Projekte mehr
  2. Wenn es sich vor der Unterschrift schon wie anstrengende Arbeit anfühlt, ist es der falsche Auftrag
  3. Ich möchte als Experte wahrgenommen werden, nicht als Person, der man Zeit abkaufen kann

Also habe ich mich spezialisiert. Einerseits auf Google Ads für Unternehmen. Und für Praxismarketing für Zahnärzte. Denn bei beiden Themen habe ich gelernt, dass ich sie mit Leichtigkeit angehen kann und dadurch für Erfolge sorgen kann.

Der beste Nebeneffekt

Als diese Entscheidung stand, wurde plötzlich so vieles so viel klarer. Ich musste in Gesprächen nicht länger überlegen, ob ich helfen kann oder wie viel Energie es mich kosten würde. Sondern konnte klar sagen, was ich kann und was nicht. Und ob ich überhaupt helfen will.

Nichts hat mir in meiner Selbstständigkeit mehr Energie gegeben als diese Entscheidung.

Wenn jemand

  • zu meiner Energie passt,
  • die richtige Einstellung zu Marketing hat
  • UND ich momentan einen freien Platz habe,

bereite ich ein Angebot vor. Und Wenn das nicht so ist, lasse ich es bleiben. Diese Übung ist eine der schwersten für mich (wer kann schon gut nein sagen ;-)).

Aber gleichzeitig eine, die mich am meisten erfüllt.

Denn: Ich bestimme mit wem ich arbeite. Und ich kontrolliere meine Energie.

Was ich bei Zahnärzt:innen oft sehe

Vergleiche zwischen Marketing-Dienstleistungen und Gesundheitsdienstleistungen haben zugegebenermaßen immer "ein Geschmäckle". Trotzdem lehne ich mich hier einmal ein bisschen aus dem Fenster ;-)

Die allermeisten Zahnärzt:innen bieten alle möglichen Leistungen an. Und nehmen dazu jeden Patienten, der den Weg zu ihnen findet. Wahrscheinlich, weil sie helfen wollen. Und das ist ein sehr edler Ansatz.

Trotzdem führst du mit deiner Praxis auch ein Unternehmen. Und dieses Unternehmen sollte im besten Fall:

  1. Spaß machen
  2. dein Leben erfüllen
  3. so viel Gewinn abwerfen, dass du dein Traumleben leben kannst

Und so viel ist sicher: Das gilt für Praxen genauso wie für Agenturen: Diese Dinge erreicht man kaum, wenn man sein Praxisspektrum und sein Umfeld nicht aktiv steuert.

Meine Frage heute an dich

Wie erfüllt arbeitest du heute in deiner Praxis? Hat dein Team den Geist, den du dir einst gewünscht hast?

Geben deine Patient:innen dir Energie oder rauben sie sie dir?

Die Antworten auf diese Fragen geben dir eine Indikation dafür, ob du für dein zufriedenes Ich schon einstehst oder nicht.

Viele Grüße & genieße deine Woche,

Marius

Profilbild Marius Blau
Über mich
Ich bin Marius Blau und unterstütze Zahnärzt:innen dabei, digital sichtbar zu werden und mehr Wunschpatienten zu gewinnen – mit SEO, Google Ads, top-Bewertungen und klarer Positionierung.